Déjà vu

DejaVu     Lässig lehnte er im Türrahmen des kleinen Straßencafé´s und beobachtete die wachsende Zahl der Passanten. Menschen, die eilig an ihren Arbeitsplatz strebten, Rentner auf dem Weg in den Park. Junge Mütter mit Kinderwagen.Was nun eben diese so früh ins Freie trieb? – Er hatte keine Idee. Schmunzelnd nahm er ihre teils unverhohlenen Blicke wahr und überlegte, ob sie wohl zu kurz kämen daheim. Es war noch früh, aber es sollte wieder ein heißer Tag werden, sagten die im Radio. Er schnippte seine Zigarette auf den Boden und trank den letzten Rest seines inzwischen kalten Kaffee´s. Macht schön, hatte Oma gesagt.

Die Semesterferien hatten eben erst begonnen. Viel lieber läge er am Baggersee, oder säße selber in den Cafés der Stadt. Aber er musste arbeiten, um sein Studium zu finanzieren. Die ersten Gäste suchten Platz im Schatten, unwichtige Leute und wichtige, und eben jene, die meinten, es zu sein. Eine träge Masse, die sich selbst am wichtigsten war. Höflich, aber distanziert nahm er Bestellungen auf, servierte Kaffee, Cappuccino, Espresso meist schweigend. Der Fanclub orderte Fruchtschorle und Milchschaum für die Kleinen. Interessiert beobachtete er, und endlich dann entdeckte er sie. Sie kam jeden Tag, saß meist am gleichen Platz unter dem großen Baum in der Mitte des kleinen Platzes und vertrödelte sich lesend die Zeit. „Eine Latte, bitte“. Er biss sich auf die Zunge. Sie war zierlich, zart fast. Kurze Haare, kurzer Rock. Die Sonnenbrille zu groß für ihr schmales Gesicht. „Mädchen eben“, dachte er. Offensichtlich trug sie keinen BH, die festen Rundungen unter ihrem Shirt weckten seinen Appetit. Kühl und distanziert würdigte sie ihn keines Blickes und aß Erdbeeren.

Bis sie an diesem verregneten Samstag Vormittag bei ihm im Café saß. „Bock auf Kino?“, fragte er trockenmündig. Ihre grünen Augen funkelten ihn an. Am Abend stand sie vor seiner Tür. – Vom Film wusste er später nicht viel, danach gingen sie tanzen. Als sie ihren appetitlichen Arsch rücklings an ihn drückte, setzte sein Herztakt aus für einen Moment. Verunsichert und erregt griff er ihr von hinten in den unbeschlüpferten Schritt. Und so begann eine wilde, hemmungslose Zeit. Sie saß weiter unter dem großen Baum und reizte ihn. Arbeit in Trance. Zwischen Tanzen und Whiskey Sour. Berauscht. Gänzlich auf sie reduziert lebt er nur sie. Und ficken. Ficken bis zur totalen Erschöpfung. Sie war wild und hemmungslos. Und fordernd. Manchmal lachte sie schelmisch über seine Schüchternheit. Dann drückte sie ihn in die Laken und nahm sich von ihm, was sie wollte. Und sie wollte alles. Immer. Am Ende der Semesterferien zog sie weg. Ein kurzer, aber herzlicher Abschied. „Vergessen werde ich Dich nie“, sagte sie. Später kam noch ein Anruf. Danach nie wieder. Sie hatten nur diesen einen Sommer.

Es ist Abend. Sie sitzen am Tisch, wie jeden Abend. Die Kinder erzählen wild durcheinander. Wochenende. Seine Frau hat gekocht. Kennengelernt haben sie sich vor einer gefühlten Ewigkeit. Nichts aufregendes. Solide eher. Anfangs dachte er noch an diesen einen Sommer, aber es wurde weniger. Und sie sind zufrieden miteinander. Sie sind fast fertig mit essen; die Kinder wollen noch aufbleiben, spielen. Es klingelt. Erleichtert, die Diskussion seiner Frau zu überlassen, steht er auf.

Vor der Tür steht ein junges Mädchen. Vierzehn, fünfzehn vielleicht. Sie ist zierlich, zart fast. Kurze Haare, kurzer Rock. „Hallo“.

Déjà vu.

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